Katharina Mikov AfD Stadträtin für den Heilbronner GemeinderatKatharina Mikov

In den vergangenen Wochen wurde im Gemeinderat über mögliche Veränderungen beim Verkehr durch die Heilbronner Innenstadt gesprochen. Noch handelt es sich um Überlegungen und nicht um konkrete Beschlüsse, dennoch zeigt die Diskussion eine Richtung, die aus unserer Sicht mit Sorge betrachtet werden muss. Im Raum stehen unter anderem Ideen, den Verkehr auf der Allee weiter zu reduzieren und auch im Bereich der Gerberstraße Veränderungen vorzunehmen, um den Durchgangsverkehr in der nördlichen Innenstadt zu begrenzen. Dabei handelt es sich jedoch nicht um irgendwelche Nebenstraßen, sondern um zentrale Verkehrsachsen. Wer hier eingreift, verändert den Verkehrsfluss in der gesamten Stadt.

Heilbronn ist keine Insel!

Die Stadt ist eng mit dem Landkreis verbunden, wirtschaftlich ebenso wie im täglichen Leben. Ein großer Teil der Menschen, die nach Heilbronn kommen, lebt außerhalb der Stadtgrenzen. Sie kommen zur Arbeit, zum Einkaufen, zu Ärzten, zu Veranstaltungen oder in die Gastronomie. Für viele von ihnen ist das Auto weiterhin das wichtigste Verkehrsmittel, weil der öffentliche Nahverkehr nicht überall eine ausreichende Alternative bietet. Wenn man die wichtigsten Verkehrswege in der Innenstadt einschränkt, betrifft das deshalb nicht nur den innerstädtischen Verkehr, sondern die gesamte Region.

Erfahrungen aus den vergangenen Jahren zeigen außerdem, dass Verkehr nicht einfach verschwindet, wenn man ihn begrenzen will. Er verlagert sich. Fahrzeuge fahren häufiger durch die gleichen Straßen, weil sie nach Parkmöglichkeiten suchen oder Umwege fahren müssen. Dadurch entsteht zusätzlicher Verkehr, der Anwohner ebenso belastet wie Besucher. Gleichzeitig nimmt mit knapper werdenden Parkflächen auch der Druck zu, irgendwo anzuhalten oder zu parken, selbst wenn dies eigentlich nicht vorgesehen ist. Viele Bürger haben deshalb den Eindruck, dass Einschränkungen vor allem diejenigen treffen, die sich an Regeln halten, während andere Wege finden, sie zu umgehen. Eine Verkehrspolitik, die vor allem auf Verbote setzt, erreicht am Ende oft das Gegenteil dessen, was eigentlich gewollt war.

In der aktuellen Diskussion wird außerdem häufig ausgeblendet, wie sehr eine Stadt auf ihr Umland angewiesen ist. Energie, Lebensmittel, Waren und Dienstleistungen kommen nicht aus der Innenstadt, sondern aus der Region und weit darüber hinaus. Man kann sich einmal vorstellen, Heilbronn müsste alles, was täglich benötigt wird, innerhalb der eigenen Stadtgrenzen selbst erzeugen. Wie viele Windkraftanlagen wären notwendig, wenn der Strom vollständig vor Ort produziert werden müsste, und wo sollten diese stehen? Im Pfühlpark oder im Wertwiesenpark wird sich das kaum jemand wünschen. Auch für Landwirtschaft, Versorgung und Gewerbe gäbe es innerhalb der Stadtgrenzen nur sehr begrenzte Möglichkeiten. Dieses Gedankenexperiment zeigt, wie selbstverständlich wir davon ausgehen, dass vieles von außen kommt – und wie wichtig deshalb funktionierende Verbindungen zwischen Stadt und Region sind.

Gerade deshalb sollte man sehr vorsichtig sein, wenn es darum geht, zentrale Verkehrsachsen weiter einzuschränken. Eine lebendige Innenstadt entsteht nicht dadurch, dass man sie immer stärker begrenzt, sondern dadurch, dass sie erreichbar bleibt. Handel, Gastronomie und Dienstleistungen leben davon, dass Menschen aus der ganzen Region kommen können, ohne lange Umwege oder ständige Parkplatzsuche in Kauf nehmen zu müssen. Die Innenstadt gehört nicht nur bestimmten Gruppen, sondern allen Bürgern, sowohl den Bewohnern der Stadt als auch den Menschen aus dem Landkreis.

Bevor über weitere Einschränkungen auf der Allee, in der Gerberstraße oder an anderen wichtigen Stellen nachgedacht wird, sollte deshalb ehrlich geprüft werden, welche Folgen bestehende Maßnahmen bereits haben. Die Innenstadt braucht keine weiteren Experimente, sondern verlässliche Rahmenbedingungen. Heilbronn bleibt nur dann eine lebendige Stadt, wenn sie erreichbar bleibt – für ihre Bürger und für die gesamte Region.