Katharina Mikov Fraktionsvorsitzende der AfD im Heilbronner GemeinderatKatharina Mikov Fraktionsvorsitzende der AfD im Heilbronner Gemeinderat

Wer die Vergangenheit auslöschen will, hat nichts aus ihr gelernt

Zur Diskussion um die Heilbronner Dühringstraße: Geschichte muss erklärt und eingeordnet werden – gerade damit sich ihre dunkelsten Kapitel niemals wiederholen.

Die Debatte um die Dühringstraße in Heilbronn wirft eine grundsätzliche Frage auf: Wie gehen wir mit den dunklen Seiten unserer Geschichte um?

Der vorliegende Zeitungsbeitrag fordert einen kritischeren Umgang mit dem Straßennamen. Eugen Dühring wird darin wegen seiner antisemitischen und rassistischen Vorstellungen scharf verurteilt. Zugleich beschreibt der Artikel, dass die Straße zum Jüdischen Friedhof führt und ihre Benennung während der nationalsozialistischen Herrschaft erfolgte. Nach Darstellung des Beitrags existiert heute in keiner anderen deutschen Kommune mehr eine Dühringstraße.

Über diese Vergangenheit muss gesprochen werden. Antisemitismus, Rassenwahn und die Verbrechen der nationalsozialistischen Diktatur dürfen niemals relativiert, verharmlost oder vergessen werden.

Aber bedeutet Aufarbeitung zwangsläufig, historische Namen aus dem öffentlichen Raum zu entfernen?

Wir meinen: Nein. Wer die Vergangenheit einfach auslöschen will, hat nichts aus ihr gelernt.

Erinnern statt ausradieren

Ein Straßenname kann mehr sein als eine Ehrung. Er kann zum Anlass werden, sich mit Geschichte auseinanderzusetzen. Statt das Schild abzuschrauben und damit irgendwann auch die Frage verschwinden zu lassen, warum diese Straße überhaupt so hieß, sollte man die Geschichte sichtbar erklären.

Eine ausführliche Informationstafel könnte darstellen, wer Eugen Dühring war, welche antisemitischen und rassistischen Vorstellungen er verbreitete, unter welchen politischen Umständen die Straße nach ihm benannt wurde und warum diese Vorstellungen mit unseren heutigen demokratischen und menschlichen Grundwerten unvereinbar sind.

So würde aus einem belasteten Straßennamen ein Mahnmal und Lernort im Alltag.

Gerade die Nähe zum Jüdischen Friedhof macht eine solche historische Aufarbeitung besonders wichtig. Der Zeitungsartikel bezeichnet die damalige Namensgebung an dieser Stelle als Ausdruck des Zynismus der NS-Herrschaft. Das sollte nicht verschwiegen werden. Es sollte erklärt werden – sichtbar und dauerhaft.

Denn junge Menschen müssen erfahren können, was damals geschah und wie menschenverachtende Ideologien entstehen konnten.

Damit sich diese Vergangenheit niemals wiederholt.

Geschichte muss auch unbequem sein dürfen

Eine selbstbewusste Demokratie muss ihre Geschichte aushalten können. Dazu gehören nicht nur Persönlichkeiten und Ereignisse, auf die wir stolz zurückblicken. Dazu gehören ebenso Irrwege, Schuld und Verbrechen.

Wer nur das Angenehme sichtbar lässt, erhält kein vollständiges Geschichtsbild.

Aufarbeitung bedeutet deshalb nicht, problematische Persönlichkeiten nachträglich zu rehabilitieren. Das Gegenteil ist der Fall: Ein erklärender Umgang ermöglicht es, ihre Überzeugungen ausdrücklich zurückzuweisen und gleichzeitig zu dokumentieren, warum eine frühere Generation einen solchen Namen überhaupt auswählte.

Nicht vergessen. Nicht verherrlichen. Sondern erklären und daraus lernen.

Und was ist eigentlich „braun“?

Auch mit dem Begriff „braun“ sollte verantwortungsvoll umgegangen werden. Im vorliegenden Artikel wird die Dühringstraße als „brauner Fleck“ bezeichnet und ihre weitere Existenz als problematische Botschaft bewertet.

Die politische Bedeutung von Braun hat einen konkreten historischen Hintergrund. Gleichzeitig sollte diese historische Chiffre nicht beliebig zur Kennzeichnung heutiger politischer Gegner eingesetzt werden.

Braun ist zunächst eine Farbe – die Farbe von Erde, Holz oder Herbstlaub. Keine Farbe besitzt eine politische Gesinnung. Ihre politische Bedeutung entsteht durch einen bestimmten historischen Zusammenhang.

Gerade weil die NS-Geschichte so schwer wiegt, sollten ihre Begriffe und Symbole nicht zu beliebigen politischen Kampfbegriffen werden. Wer jeden unliebsamen Standpunkt vorschnell in die Nähe des Nationalsozialismus rückt, trägt nicht automatisch zu besserer historischer Bildung bei.

Damit es nie wieder geschieht

„Nie wieder“ darf nicht bedeuten: Wir entfernen alles, was uns an diese Zeit erinnert.

Es muss bedeuten: Wir erinnern uns. Wir erklären. Wir diskutieren. Wir widersprechen Antisemitismus und Menschenverachtung. Und wir vermitteln unseren Kindern, wohin totalitäres Denken führen kann.

Eine Demokratie braucht Bürger, die ihre Geschichte kennen und selbst urteilen können.

Deshalb sollte die Diskussion um die Dühringstraße nicht mit dem Abschrauben eines Schildes enden. Die bessere Antwort wäre eine unübersehbare historische Einordnung vor Ort. Jeder, der dort vorbeikommt, könnte erfahren, was hinter diesem Namen steckt.

Das wäre gelebte Erinnerungskultur.

Wer die Vergangenheit auslöschen will, hat nichts aus ihr gelernt.

Wer aus ihr lernen will, muss sie kennen.

Und wer verhindern will, dass sie sich wiederholt, muss Erinnerung, Aufklärung, Freiheit und demokratische Auseinandersetzung bewahren.

Dafür: AfD wählen.

 

Quelle:Rhein-Neckar-Zeitung